Das Leid psychisch kranker Kinder wird oft übersehen

In seiner Ferbruarsitzung beriet das Plenum unter TOP 27 am 23.02.022 den Antrag „Versorgung Kinder psychisch kranker Eltern“ Drucksache 19/3643.

Meine Rede auf Youtube:

Hier der Text in Schriftform (Es gilt das gesprochene Wort):

„Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist wirklich wichtig, dass wir zum Schluss der Legislaturperiode noch einmal auf diejenigen unsere Aufmerksamkeit richten, die in ihrem Leid so oft übersehen werden und besonders in Zeiten von Corona die Verlierer sind. Kinder psychisch kranker, oft suchtkranker Eltern, die es vielleicht gerade erst in der Pandemie geworden sind, verdienen gerade jetzt besonders unsere Aufmerksamkeit. Diese Kinder stehen oft einem komplexen Schadenskarussell gegenüber, das sie kaum bewältigen können.

Familie, das weiß wohl jeder und erfährt es an Leib und Seele, besteht zwar aus Individuen, aber die sind meist komplex miteinander verwoben. Kinder sind zwar die schwachen und wehrlosen Opfer, die sich mit ihren verzweifelten Verantwortungsbemühungen in der Rolle von Ersatz-Erwachsenen heillos überfordern. Vor einer psychischen Erkrankung sind es die Elternteile selbst deren psychische Erkrankung einer Opferrolle entsprungen ist, – ein Teufelskreis, eine grausame Familienspirale.

In den Beziehungen häufen sich Distanzierung, Ignorierung und Bagatellisierung und in der Folge Wut, Aggression, vielleicht sogar Hass, nicht selten Gewalt. In der Überforderung der Kinder entwickeln sich Angstreaktionen, die nicht selten mit Bettnässen, Schaukelhospitalismus oder Kontaktstörungen einhergehen. Die kranken Eltern sind peinlich und werden in Fantasiegeschichten und Selbstisolation versteckt. Eine schwere psychische Erkrankung, wie z.B. eine Depression und vielleicht auch eine daraus erwachsene Suchterkrankung schafft ein völliges Ungleichgewicht und kann besonders bei Kindern Schäden für ein ganzes Leben anrichten. Es ist bekannt, dass diese Kinder ein stark erhöhtes Risiko haben, im Laufe ihres Lebens selbst eine psychische Störung zu entwickeln. Und daher brauchen die Kinder, diese Familien, bedarfsgerechte Hilfen, die sich dem oft schwankenden Krankheitsverlauf anpassen und unterschiedliche Beeinträchtigungen berücksichtigen. Dies schließt Übergänge zwischen niederschwelligen und intensiveren Hilfen für die betroffenen Elternteile und deren Kinder ein.

Für eine passgenaue Versorgung der Kinder sind daher breitgefächerte, individuell abgestimmte Angebote notwendig, die systematisch geplant sind und auch kurzfristig in Anspruch genommen werden können. Die Zusammenarbeit verschiedener Fachkräfte und Einrichtungen, insbesondere der Kinder- und Jugendhilfe und des Gesundheitswesens, ist von zentraler Bedeutung. Letztes Jahr habe ich mit meinen sozialpolitischen Kolleginnen und Kollegen meiner Fraktion die Brücke Lübeck besucht und das Projekt Pampillo kennengelernt. Dies ist so ein wichtiges Angebot für Kinder, deren Familienangehörige von einer psychischen Erkrankung betroffen sind. Hier geht es darum, individuell die Kinder zu fördern und ihnen Freiraum für eine unbeschwerte Zeit zu geben. Uns wurden aber auch die Schwierigkeiten und Begrenzungen aufgezeigt. Teilweise sind Hilfen nur für eine begrenzte Zeit genehmigt, obwohl eine psychische Erkrankung oftmals ein Leben lang die Familien begleitet und Kinder für eine viel längere Zeit diese Unterstützung von Außen brauchen.

Es wurde uns auch der Mangel an ambulanten wie stationären Therapieplätzen geschildert. Genau jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns die Versorgungssituation genauer ansehen und auch an dieser Stelle aus der Pandemie und seinen Folgen die richtigen Schlüsse ziehen. Wir wissen, dass die Wartezeiten gerade in der Psychotherapie oft endlos lang sind und selbst suizidale Risiken von Jugendlichen oft nur mit einem Notfallgespräch angegangen werden können. Nun werden wir die Ergebnisse dieser Erhebung in dieser Zusammensetzung nicht mehr in politisches Handeln umsetzen können, aber es ist klug dem neuen Parlament dafür die Grundlagen zu liefern und genau das zumindest können wir mit diesem Antrag tun. Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass durch den Antrag auch die Auswirkungen des regionalen Psychiatrie-Budgets in den fünf Modellregionen im Land, im Bezug auf die Effekte psychiatrischer Versorgung für Familien, auf den Prüfstand gestellt werden. Die SPD-Fraktion wird diesem Antrag in diesem Sinne zustimmen.“

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